Geschichte

Aus der Gründerzeit

Am 25. Oktober 1879 schrieb Pfarrer Johann Ammann aus Lotzwil in einem Pfarrbericht:
„Gegenwärtig bestehen in unserer Kirchgemeinde folgende Vereine:
1. Musicalische Vereine, nämlich der Männerchor und der gemischten Chor zu Lotzwyl, der Männerchor zu Rütschelen und der Gemischte Chor in Obersteckholz. Dazu kommen Blechmusikgesellschaften in Lotzwyl und Obersteckholz…“
Es darf angenommen werden, dass der heute jubilierende Verein bereits vor 1893 bestand, dass aber, wie damals oft üblich, keine Protokolle geführt wurden.
Tatsächlich, nach der Auflösung des Gemischten Chores Obersteckholz bildeten 5 Männer (zwei von Obersteckholz, zwei von Lotzwil und einer aus Untersteckholz) eine Blechmusik. Diese spielte jeweils am Samstagabend oder am Sonntagnachmittag zur Freude der Zuhörer aus. Weil zwei Mitglieder wegzogen, blieben von dieser Blechmusik nur die drei Trompeter übrig. Ein Teil der Instrumente soll der Musikgesellschaft Melchnau verkauft, der andere im Schulhaus in einem Archiv aufbewahrt worden sein, wo das blanke Messing von der Steckholzer Jugend gebührend bewundert wurde.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden in vielen Gemeinden der Umgebung Musikgesellschaften gegründet, so 1873 in Langenthal, 1879 in Bannwil, 1887 in Aarwangen und 1891 in Lotzwil.
Das mochte sicher auch dazu beigetragen haben, dass einige Obersteckholzer sich ernsthaft Gedanken befassten, eine Musikgesellschaft zu gründen.

Gründungsmitglieder, die anlässlich der Jubiläumsfeier von 1943 noch lebten

Im Sommer 1893 war es so weit. Die Gründungsversammlung konnte in der Wirtschaft abgehalten werden. Es waren 12 Gründungsmitglieder anwesend: Fritz Lanz, Johann Küffer, Arnold Herzig, Alfred Herzig, Jakob Übersax, Johann Siegenthaler, Jakob Wälchli, Jakob Althaus, Jakob Küffer, Jakob Ulli, Ernst Althaus und Fritz Zaugg.
Was wäre eine Musikgesellschaft ohne Instrumente? Der junge Verein hatte Glück. Die Firma Hirsbrunner in Sumiswald stellte den Obersteckholzern leihweise Instrumente zur Verfügung. Pro Instrument musste im Monat 50 Rappen Entschädigung bezahlt werden. Hier die damalige Besetzung:
2 Cornets, 2 Bügel, 1 Bügelbegleit, 4 Althörner (2 in Es und 2 in B), 1 Posaune, 1 Es Bass und 1 B Bass.

Für einen Dirigenten brauchte man nicht lange zu suchen. Auf dem Hübeli wohnte der Harfenmacher (Handörgelimacher) Jakob Flückiger, er stellte sich dem Verein als Leiter zur Verfügung.
Der erste Präsident was Jakob Ulli, erster Sekretär Fritz Lanz und als Kassier konnte Jakob Althaus gewonnen werden.
Als Mitgliederbeitrag (damals Unterhaltungsgeld genannt) wurden 12 Franken erhoben, was für jene Zeit ein ansehnlicher Beitrag bedeutete.
Wie jeder Verein musste sich auch die Musikgesellschaft Statuten geben. Als Zweck des Vereins kann man in diesen unter Artikel 1 lesen:
„Unter dem Namen <Musikgesellschaft Obersteckholz> besteht auf unbestimmte Zeitdauer, mit Sitz in Obersteckholz ein Verein, der den Zweck hat, seine Mitglieder in der Instrumentalmusik auszubilden und bei aufrichtiger Kameradschaft unter derselben das gesellschaftliche Leben zu pflegen.“
Dass die Gründungsmitglieder sehr lernbeflissen waren und eifrig übten, belegt die Tatsache, dass man nur wenige Wochen nach der Gründung bereits die ersten Marschversuche wagte und bei Joseph Keller, einem Gönner des neuen Vereins ein Ständchen brachte.

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